Korallen nicht anfassen – Warum Meeresschutz beim Schnorcheln so wichtig ist
Wer zum ersten Mal über ein Riff schwimmt, möchte am liebsten alles berühren. Die Farben, die Formen – ein Korallenast sieht aus wie ein Stein. Ist er aber nicht. Er ist ein Lebewesen, das Jahrzehnte gebraucht hat, um so zu wachsen. Ein einziger Handkontakt kann ihn innerhalb weniger Tage töten. Hier steht, warum das so ist, welche Tiere du auf keinen Fall anfassen solltest – und was beim Einpacken eines Korallenbruchstücks als Souvenir rechtlich passiert.
Korallen sind Lebewesen – keine Steine
Ein weit verbreiteter Irrtum: Korallen werden oft als bunte Steine oder Pflanzen wahrgenommen. In Wahrheit sind sie Tiere – kleine Polypen, die in symbiotischer Gemeinschaft leben und über Jahrzehnte harte Kalkstrukturen aufbauen. Ein einziger Korallenstock kann Hunderte von Jahren alt sein.
Das Wachstum ist extrem langsam: Die meisten Riffkorallen wachsen nur 1–2 cm pro Jahr. Ein Korallenast, der beim Schnorcheln versehentlich abgebrochen wird, würde Jahrzehnte brauchen, um sich zu regenerieren – wenn er überhaupt überlebt.
Korallenriffe sind auch das "Zuhause" von rund 25 % aller Meeresspezies. Schildkröten, Anemonenfische, Muränen, Delfine, Haie – sie alle sind auf intakte Riffe angewiesen. Wo keine Korallen mehr wachsen, verschwindet auch das Leben. Es gibt bereits riesige Totzonen an ehemals lebendigen Riffen weltweit.
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Warum du Korallen niemals anfassen solltest
Ein einziger Handkontakt kann einen Korallenstock nachhaltig schädigen – und das aus mehreren Gründen:
Der Schutzschleim wird zerstört
Korallen sind von einem dünnen Schleimfilm überzogen, der sie vor Krankheiten, Parasiten und Überhitzung schützt. Wenn du sie berührst – auch mit Handschuhen – wird dieser Film abgewischt. Die Koralle ist danach schutzlos und stirbt innerhalb kurzer Zeit ab.
Abbrechende Äste erholen sich kaum
Beim Aufstützen, Festhalten oder versehentlichen Treten brechen Korallenäste ab. Angesichts des minimalen Wachstums von 1–2 cm pro Jahr bedeutet das oft irreparablen Verlust. Abgebrochene Korallenäste können sich zwar einwurzeln und neu wachsen – das braucht aber ideale Bedingungen und viel Zeit.
Hektische Bewegungen sind gefährlich
Nicht nur aktives Anfassen schadet. Unruhige Flossenschläge nah am Riff wirbeln Sediment auf, das sich auf den Korallen absetzt und ihnen das Licht nimmt. Schwimme immer ruhig und halte ausreichend Abstand – mindestens 50–100 cm zum nächsten Riff.
Gefahren unter Wasser – auch für dich selbst
Das Anfassen von Meerestieren ist nicht nur schlecht fürs Ökosystem – es kann auch für dich gefährlich sein. Viele Meerestiere schützen sich durch Gift, Stacheln oder Bisse:
- Feuerkamm-Korallen (Millepora): Sehen aus wie harmlose Weichkorallen, haben aber Nesselzellen. Berühren hinterlässt schmerzhafte Verbrennungen, die tagelang anhalten.
- Steinfische: Camouflieren sich perfekt als Steine. Ihr Stachelgift ist extrem schmerzhaft und im schlimmsten Fall tödlich. Nie auf Riffböden stehen – immer schwimmen.
- Seeigel: Ihre Stacheln dringen durch Neoprensocken und brechen in der Wunde ab. Sehr unangenehm zu entfernen.
- Muränen: Verstecken sich in Korallenritzen. Sie beißen nur wenn sie sich bedroht fühlen oder mit Futter verwechselt werden. Hand nie in Ritzen stecken.
- Quallen: Im offenen Wasser – in der Regel harmlos, aber manche Arten (z.B. Würfelqualle) sind hochgiftig.
- Blaukringel-Tintenfisch: Klein und unscheinbar, aber hochgiftig. Das Nervengift kann in Minuten zum Tod führen. Nie anfassen.
Die einfache Regel: Halte Abstand zu allem, was du nicht eindeutig erkennst. Das schützt dich und das Meereslebewesen gleichermaßen.
Artenschutz & rechtliche Folgen beim Mitnehmen
Korallen und viele Meerestiere stehen unter dem Schutz des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES). Das bedeutet:
- Die Einfuhr von Korallen, seltenen Muscheln und vielen anderen Meeresorganismen nach Deutschland ist ohne spezielle Genehmigung illegal.
- Das gilt auch für tote Korallen, Korallenbruchstücke und Schmuck aus Korallenmaterial.
- Bei der Einreise kontrolliert der Zoll regelmäßig Gepäck auf geschützte Arten. Wer erwischt wird, muss mit Bußgeldern bis zu mehreren Tausend Euro rechnen.
- In vielen Ländern (z.B. Ägypten, Malediven) ist das Mitnehmen von Korallen bereits vor Ort eine Straftat.
Der deutsche Zoll hat eine eigene Website zum Thema: artenschutz-online.de. Dort findest du länderspezifische Informationen, welche Tier- und Pflanzenarten welchen Schutzstatus haben.
Rifffreundlicher Sonnenschutz
Herkömmliche chemische Sonnencremes enthalten Stoffe wie Oxybenzon und Octinoxat, die nachweislich Korallen schädigen. Schon wenige Tropfen Sonnencreme können in einem Schwimmbecken-großen Bereich Korallen bleichen und schwächen.
Was du stattdessen tun kannst:
- UV-Shirt (Rashguard) mit UPF 50+: Schützt Rücken, Schultern und Arme vollständig ohne jegliche chemische Belastung. Für Schnorchler die allerbeste Wahl.
- Mineralischer Sonnenschutz auf Zinkoxid-Basis: Deutlich rifffreundlicher als chemische Filter. Achte auf die Aufschrift "reef safe" oder "mineral sunscreen".
- Bedeckende Kleidung: Leichter Badeanzug oder Lycra-Shorts bieten mechanischen UV-Schutz ohne Chemie.
Die 5 goldenen Regeln für Schnorchler am Riff
- Nichts berühren. Keine Korallen, keine Fische, keine Meerespflanzen. Nicht mal mit dem kleinen Finger. Augen auf und Hände weg.
- Nicht auf dem Riff stehen. Wenn du nicht mehr weiterkommst, tauch auf und schwimme zurück. Nie auf Korallen aufstützen oder treten.
- Ruhig und kontrolliert schwimmen. Langsame, gleichmäßige Flossenschläge halten ausreichend Abstand zum Riff und wirbeln kein Sediment auf.
- Nichts mitnehmen. Keine Korallen, keine Muscheln, keine Steine. Was am Riff ist, bleibt am Riff.
- Rifffreundlichen Sonnenschutz verwenden. UV-Shirt statt Chemie-Creme.
Häufige Fragen – Korallen und Meeresschutz
Warum darf man Korallen nicht anfassen?
Darf man Korallen als Souvenir mitnehmen?
Welche Meerestiere sind beim Schnorcheln gefährlich?
Was tun, wenn ich versehentlich auf Korallen getreten bin?
Welchen Sonnenschutz soll ich am Korallenriff verwenden?
Was du beim nächsten Schnorcheln konkret anders machen kannst
Hände verschränken oder vor der Brust halten – das klingt albern, funktioniert aber. Wer die Hände nicht frei schwingen hat, greift nicht reflexartig nach etwas. Flossen ruhig halten, Abstand zum Riffboden halten, UV-Shirt statt Sonnencreme. Das sind keine großen Einschränkungen. Aber zusammen machen sie einen echten Unterschied.
Wer andere Schnorchler sieht, die Korallen berühren: kurz ansprechen. Nicht vorwurfsvoll, einfach sachlich. Die meisten Menschen wissen es schlicht nicht – und ändern ihr Verhalten sofort, wenn sie verstehen, was passiert.